Expertise: Sprachliche Förderung und Schulvorbereitung in Kindertageseinrichtungen

Der Paritätische Gesamtverband fordert mehr Zeit für die gezielte Unterstützung von Kindern und spezifische Fortbildungen. Eine bundesweite Umfrage unter mehr als 3.200 Kitas zeigt: Viele Einrichtungen kennen die Bedarfe der Kinder – aber ihnen fehlt die Zeit, um Kinder gezielt zu unterstützen.

Über 92 Prozent der Kindertageseinrichtungen betreuen Kinder, die zu Hause vorrangig eine andere Sprache als Deutsch sprechen. Mehrsprachigkeit ist damit kein Randphänomen, sondern Alltag in nahezu allen Einrichtungen. Doch nur 36 Prozent geben an, dass sie diese sprachliche Vielfalt auch gezielt fördern können. Weniger als die Hälfte der Einrichtungen traut sich überhaupt zu, die Sprachentwicklung mehrsprachig aufwachsender Kinder kompetent einzuschätzen.

Die Umfrage zeige deutlich, dass nicht mangelnde Diagnostik das Problem sei, sondern strukturelle Überlastung. Zwei Drittel der Einrichtungen geben an, den sprachlichen Förderbedarf mit dem vorhandenen Personalschlüssel nicht umsetzen zu können. Dieser Wert habe sich seit 2021 deutlich verschlechtert.

Der Paritätische fordert eine dauerhafte Bundesbeteiligung an den Kosten für gute sprachliche Bildung in Kitas. Einrichtungen mit vielen Kindern, die von Benachteiligung bedroht sind, benötigten deutlich mehr zeitliche Ressourcen und Funktionsstellen für sprachliche Bildung. Zudem müssten Materialien und Konzepte bereitgestellt werden, die Mehrsprachigkeit systematisch in den Kita-Alltag integrieren. Dafür brauche es bessere Voraussetzungen, dass Fachkräfte ihre Arbeit machen können, fordert der Paritätische.

Die Umfrage zeigt zudem massive Probleme beim Übergang in die Grundschule. Nur 35 Prozent der Kitas berichten von einer ausreichenden Verständigung mit den aufnehmenden Schulen. Besonders in Großstädten müssen Einrichtungen mit bis zu zehn verschiedenen Grundschulen zusammenarbeiten, was die Abstimmung zusätzlich erschwert.

Die vorliegende Auswertung basiert auf einer bundesweiten Online-Umfrage des Paritätischen Gesamtverbandes, die von Mai bis Juni 2025 mehr als 3.200 Kindertageseinrichtungen im gesamten Bundesgebiet erfasst hat. Bei der Analyse der Daten hat der Bereich Statistische Beratung und Analyse (SBAZ) des Zentrums für HochschulBildung der TU Dortmund unterstützt.

Quelle: Pressemeldung vom 3. März 2026

Letzte Aktualisierung: 10.03.2026