Gesundheit für Fachkräfte

Die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern ist eine verantwortungsvolle, sinnstiftende und erfüllende Arbeit für die meisten Erzieherinnen und Erzieher. Als sehr positiv erleben sie die Chance, die kindliche Entwicklung anzuregen und ihre Arbeit im Sinne des Sächsischen Bildungsplans selbst und im Team zu gestalten. Wichtige Grundlagen dafür sind zum einen die persönliche Gesundheit und Kompetenz, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, die Identifikation mit dem Beruf sowie die berufliche Kompetenz der Fachkräfte und zum anderen die angemessenen gesetzlichen, räumlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Studien belegen, dass die Tätigkeit der pädagogischen Fachkräfte von zahlreichen und insbesondere komplexen Anforderungen geprägt ist und die gesundheitliche Situation u.a. mit den Rahmenbedingungen zusammenhängt. Fachkräfte klagen über körperliche und psychische Belastungen, wie z.B. Lärm oder Stress, und empfinden zum Teil eine mangelnde Wertschätzung. Zudem hat sich in den letzten Jahren vor allem in den ländlichen Regionen Sachsens das Durchschnittsalter der Fachkräfte erhöht. Neben den Belastungen konnten unterschiedliche Studien auch Ressourcen in den sozialen (Kommunikation, kollegiale Unterstützung) und organisationalen Aspekten (Partizipation, Teamgefühl) ermitteln.

Was lässt sich tun, um Arbeitsbedingungen und Arbeitszufriedenheit zu verbessern?

Nach dem Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, für die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten zu sorgen. Die Angestellten unterstützen den Arbeitgeber nach ihren Möglichkeiten und folgen seinen Anweisungen. Auf der Grundlage von einer Gefährdungsbeurteilung wird festgestellt, welche Gefährdungen in der konkreten Kita bestehen. Diese sollten möglichst an ihrer Quelle beseitigt werden. In sozialen Tätigkeitsfeldern ist dies z. T. nur bedingt erreichbar. Daher müssen die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass sie weniger gefährlich oder schädlich für die Gesundheit der Beschäftigten sind. Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Gesundheitsförderung sind eng mit dem Qualitätsmanagement und der pädagogischen Konzeption der Einrichtung verknüpft.

Recht

Hinweise zu rechtlichen Grundlagen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Kindertageseinrichtungen finden Sie in im Handbuch Gesund arbeiten in der Kita im Kapitel 2.

Umsetzung von Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz in der Kita

Die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung bietet einen Überblick über die psychischen und körperlichen Gefährdungen in der Kita. Nach der Erhebung entscheiden Träger, Leitung und Beschäftigte gemeinsam, wie sie Gefährdungen einschätzen und welche Arbeitsbedingungen verbessert werden sollten. Dabei können der betriebsärztliche und sicherheitstechnische Dienst sowie die Unfallversicherungen helfen. Für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung gibt es Anleitungen/Checklisten von verschiedenen Organisationen, z.B. der bgw check „Gefährdungsbeurteilung in der Kinderbetreuung“ der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), die Handlungshilfe der Unfallkasse Baden-Württemberg und Checklisten der Unfallkasse Sachsen. In jeder Einrichtung sollte ein/e Sicherheitsbeauftragte/r ernannt sein. Zu einem optimalen Gesundheitsmanagement zählt auch, dass sich der Arbeitgeber seiner Vorbildrolle bewusst ist.

Um das ganze Team in den Prozess einzubeziehen, eignen sich Gesundheitszirkel. Der Leitfaden der Niedersächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung gibt Tipps für die praktische Umsetzung zur Förderung der Gesundheit von Eltern, Kindern und Fachkräften. Im Ratgeber der GEW „Betriebliche Gesundheitsförderung im Sozial- und Erziehungsdienst“ sind zahlreiche Praxisbeispiele dargestellt.

Weitere Informationen:

Ausgewählte Handlungsfelder

Lärm

Lärm beeinträchtigt die psychische und körperliche Gesundheit aller Menschen, d. h. Lärm ist sowohl für die pädagogischen Fachkräfte als auch die Kinder belastend. Zudem verschlechtert Lärm die kindliche Sprachentwicklung, da die Kinder bestimmte Frequenzen der Sprache undeutlicher verstehen. Lärmprävention beginnt am besten bei bautechnischen Maßnahmen und kann durch organisatorische und pädagogische Handlungen ergänzt werden.

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Rückengerechtes Arbeiten

Die Arbeit in Kindertageseinrichtungen ist oft nicht rückenfreundlich. Wenn die pädagogischen Fachkräfte im wörtlichen Sinne „auf Augenhöhe“ mit den Kindern arbeiten, ist das häufig mit einer gebückten, gehockten oder knienden Haltung verbunden. Oft mangelt es auch an erwachsenengerechten Möbeln für die Beschäftigten. Insbesondere Erzieherinnen, die mit Kleinkindern arbeiten, heben und tragen die Kinder und führen zum Teil haushaltsnahe Tätigkeiten aus. Ansatzpunkte zur Verbesserung sind u. a. die Anschaffung erwachsenengerechter Tische und Stühle, Aufstiegshilfen bei Wickeltischen und Dehnungs- und Kräftigungsübungen für die Rückenmuskulatur.

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Infektionsschutz / Hygiene

Pädagogische Fachkräfte haben ein erhöhtes Risiko, sich mit Infektionskrankheiten bei den Kindern anzustecken. Dieses entsteht durch den engen Körperkontakt mit den Kindern sowie durch spezifische Tätigkeiten wie Windeln wechseln und Begleitung beim Toilettengang. Die Ansteckung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion und/ oder Schmier- bzw. Kontaktinfektion. Insbesondere schwangere Mitarbeiterinnen und Beschäftigte mit unzureichendem Impfschutz sind gefährdet. Es ist hilfreich, sich ausreichend impfen zu lassen, bei bestimmten Tätigkeiten Handschuhe zu tragen und auf die Hygiene zu achten. Der arbeitsmedizinische Dienst und die Unfallversicherungen beraten hierzu detaillierter.

Weitere Informationen:

Psychische Belastungen

Erzieherinnen und Erzieher sind mit vielfältigen Anforderungen konfrontiert, die sie manchmal überfordern und Stressreaktionen auslösen. Personalmangel, Zeitdruck, fehlende soziale Unterstützung bzw. Anerkennung oder auch hoher Erwartungsdruck und die Gleichzeitigkeit vieler Aufgaben wirken psychisch belastend. Neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen hilft es beispielsweise, die Arbeit anders zu organisieren, sich von Kolleginnen Unterstützung zu holen und die Ansprüche zu ändern. Auch wohltuende Freizeitaktivitäten können einen Ausgleich zur Arbeit schaffen und dabei helfen sich zu regenerieren. Auf die besondere Situation der Kita-Leiterinnen gehen u.a. die nachstehend genannten Veröffentlichungen ein.

Weitere Informationen:

Hilfreiche Internetseiten

Weitere Artikel zu diesem Thema auf dem Kita-Bildungsserver:

Fortbildungen

Stress und Burnout - Was tun, wenn der Job zur Last wird? am 06.11.2018 in Stollberg

Praxis

Bericht zur beruflichen und gesundheitlichen Situation von Kita-Personal in Sachsen

Handlungshilfe „Gesund bleiben in der Kita“

Erzieherinnengesundheit – Handbuch für Kita-Leitungen und Kita-Träger

Letzte Aktualisierung: 17.09.2018