Bewegungs-Spiele-Nachmittag für Eltern und Kinder in der Kindertagesstätte "Funtasia" - Kooperation von Familie und Kindertagesstätte
Spielen, entdecken und bewegen - gemeinsam mit Eltern und Großeltern im Kindergarten. In der AWO-Kita "Funtasia" in Lindhardt gibt es das. Studentinnen der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig planten und gestalteten einen Eltern-Kind-Nachmittag in Form eines Bewegungs-Spiele-Nachmittages für Eltern, Großeltern und Kinder. Er ermöglichte den Zielgruppen im Januar 2006 gemeinschaftliche Aktivitäten in der Kindertageseinrichtung. Das Motto dieses gemeinsamen aktiven Nachmittages lautete: "Alle machen mit."
Welche Ziele verfolgt das Projekt?
- Förderung der Elternarbeit
- Begünstigung der Kooperation zwischen Familien und Kindertagesstätte
- gemeinsame Aktivitäten für Klein und Groß zur Sammlung neuer Erfahrungen
Methoden und Inhalte
Einen großen Sitzkreis bildend, wurde die Geschichte von den Eskimos vorgetragen. Diese Geschichte bildete den großen Themenrahmen des gemeinsamen Eltern-Kind-Nachmittages.
Die Geschichte von den Eskimos handelte von den alltäglichen Schwierigkeiten des Lebens in nördlichen Gefilden. Der Eskimopfad bestand aus sieben einzelnen Spielstationen, so genannten Bewegungsbaustellen, die gemeinsam von Kindern und Erwachsenen absolviert werden mussten.
einzelne Stationen des Eskimopfades
- Eisschollenstation springen von einer Steinplatte zur anderen
- Brückenstation über ein langes Seil balancieren
- Reifenstation hin- und herrollern von Gymnastikreifen
- Taststation Gegenstände mit verbundenen Augen fühlen und erkennen
- Ballstation Bälle hin- und herwerfen
- Schlängelpfadstation Entdeckung eines Schlängelpfades aus Holzstämmen
- Eishöhlenstation ertasten und erfassen von Gegenständen in einer Schatzkiste
Der Garten diente als Bewegungsraum, denn für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes ist es unabdingbar, dass es allein und mit anderen aktiv über die Bewegung Einfluss auf seine Umwelt ausüben kann. Die Form der Bewegungsauseinandersetzung ist für das (Er-)Leben und Lernen der Kinder sehr wichtig.
Was wurden für grundlegende Fähigkeiten durch die einzelnen Spielstationen nachhaltig gefördert?
- Körpererfahrung - Erfahrungen über den eigenen Körper werden im Gestaltungs- und Bewegungsprozess wahrgenommen
- Materialerfahrung - im Umgang mit unterschiedlichen Materialien (Tannzapfen, Maiskolben, Wolle, Stöcke, Spielringe) erfahren Kinder etwas über deren spezifischen Eigenschaften (Oberflächenbeschaffenheit, Gewicht u.a.)
- Sozialerfahrung - durch gemeinsames Handeln und Kooperieren wird partnerschaftliches Verhalten angeregt
- Kreativität - die vielseitigen Spielstationen regen zum Selbstständigen und phantasievollen Umgang an
- Problemlösungsverhalten - immer wieder neue Situationen (neue Spielstationen) müssen absolviert (gelöst) werden
- Handlungsfähigkeit - vor jedem neuen Schritt (vor jeder neuen Station) wird in Gedanken ein Plan von dem erstellt, was anschließend umgesetzt werden soll
- Risikoerfahrung - Klein und Groß erproben ihr Können und Geschick selbsttätig und gewinnen über die Bewegungserfahrung Selbstvertrauen und Bewegungssicherheit
In einer, nach dem Spiel im Garten, sich anschließenden Reflexionsrunde im Gruppenraum wurde für uns, als Projektleiterinnen, deutlich erkennbar, dass die Kinder die Stationen "Taststation" und "Eishöhlenstation" am abenteuerlichsten fanden.
Das "Be-Greifen" von Gegenständen hat einen tiefen und weitreichenden Sinn. Durch die Aktivierung des Tastsinnes wird u.a. das Verständnis für Formen geweckt. Nur in der "greifbaren" und handelnden
Auseinandersetzung mit der zu entdeckenden Umwelt können Kinder über die Wahrnehmung durch ihre Sinnesorgane wichtige und vor allem wirklichkeitsnahe Lebenszusammenhänge selbst erfahren, sogenannte "Erfahrung aus erster Hand" machen. Für Kinder ist eine Umwelt wichtig, die sie anfassen, fühlen, hören, in der sie sich bewegen und neue Erkenntnisse sammeln können.
Gemeinschaftsförderung durch Spiellieder?
Nach dieser Reflexionsrunde, in der die Kinder, Eltern und Großeltern nach ihren Erfahrungen, welche sie mit dem Eskimopfad bzw. dessen einzelnen Spielstationen gemacht haben, befragt wurden, ging es mit einem traditionellen Sing-Spiel weiter. Es wurde überraschend von uns, der Projektleitung, beobachtet, welchen Aufforderungscharakter der Gesang inne hat. Lieder ermöglichen Abwechslung und Ausgleich und sprechen Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. Durch Wiederholungen und Rituale wird sowohl Sicherheit und Orientierung unterstützt als auch Sprachförderung, Erweiterung des Sprachschatzes und Förderung des Erinnerungsvermögens. So wirken Lieder, in denen manche Stellen mal laut, mal leise gesungen werden oder in denen ein Tempowechsel stattfindet, auf Kinder nicht nur motivierend, sondern auch konzentrationssteigernd.
Wie wurde das Projekt evaluiert?
Neben den angebotenen Spielvariationen (Bewegungsspiele, Tastspiele, Kooperationsspiele und dem Singspiel) war eine wissenschaftliche Begleitung mit entsprechenden Evaluationsinstrumenten an diesem Spiele-Nachmittag von großer Bedeutung. Im Hinblick auf die universitäre Begleitung war es wichtig, herauszufinden, warum die Eltern und Großeltern den angebotenen Eltern-Kind-Nachmittag wahrnehmen, wie sie den erlebten Spiele-Nachmittag empfanden und welche Verbesserungsvorschläge sie haben. Aus diesem Grund wurden die Eltern und Großeltern gebeten, sich dem Flip-Chart mit der entsprechenden Erwartungskarte und der Fragestellung: "Warum sind Sie heute hier?" zu zuwenden und entsprechende Markierungen vorzunehmen.
Die Wahrnehmungen, Impressionen und Reflexionen der erwachsenen TeilnehmerInnen sollten zunächst einmal nach Ablauf des Spiele-Nachmittages erfragt werden. Eine Auswertungskarte, ebenfalls in Form eines Flip-Charts, ging der Frage nach: "Wie empfanden Sie den Spiele-Nachmittag?" Als Auswertungsmethode wurde die Form der Wetterkarte gewählt. Das bedeutet, die Eltern werteten die Aspekte Atmosphäre (draußen, drinnen), Inhalt/Spiele (Spielauswahl, Flip-Charts, ...), Qualität der Spiele-Leiterinnen (Moderation, Erklärungen, ...) und zeitlichen Rahmen (Freitag, 14:30 Uhr bis 16:30 Uhr) in Form einer Wetterkarte aus, in dem Antwortvorgaben von ... sonnig und schön bis ... unangenehm, Konflikte/missfallen zur Auswahl standen.
Von uns als Spiele-Leiterinnen war zu beobachten, dass die Erwartungs- bzw. Auswertungskarten seitens der Eltern und Großeltern problemlos und mit Begeisterung aufgenommen worden.
Weiteres Ziel der Evaluation bestand darin, für vergleichbare zukünftige Projekte bzw. für ein solches Projekt in anderen Kindertageseinrichtungen, Verbesserungsvorschläge zu erhalten. Um dieses Ziel effektiver zu verwirklichen, überlegten wir uns im Vorfeld, dass die Eltern die empfangenen Eindrücke des gemeinsamen Spiele-Nachmittages zunächst auf sich einwirken lassen sollten. In Betracht kam daher die Befragung der Eltern mittels eines zeitnahen Fragebogens, ca. 1 Woche an uns zurück gereicht wurde.
Nach der Auswertung aller in Betracht kommenden Evaluationsmethoden bleibt fest zuhalten, dass der gemeinsame Spiele-Nachmittag als solcher wie auch die Durchführung im Einzelnen von Eltern und Kindern als ausschließlich positive und sehr positive Erfahrung angesehen wurde. Der gemeinsame Eltern-Kind-Nachmittag ist somit bei allen Beteiligten als voller Erfolg gewertet worden. Eltern und Großeltern haben das Angebot von uns als Spiele-Leiterinnen dankend angenommen und freuen sich bereits auf eine Wiederholung eines solchen gemeinsamen Nachmittages.
Laufzeit des Projekts: von 01.12.2005 bis 31.01.2006
Info und Kontakt
Zur gesamten Planung des Spiele-Nachmittages gibt es eine Projektmappe zu den Stichpunkten:
Projektinitiierung (Projektrahmen definieren)
Projektbeschreibung (Projektidee, Projektanliegen)
Projektorganisation (Projektstrukturplan)
Projektplanung (ZIM-Modell, Cantt Chart)
Projektevaluation (Erwartungs- und Auswertungskarte, Fragebogen)
Die Unterlagen können gern einzeln oder in Form der Projektmappe bei Franziska Beranek zum Selbstkostenpreis
(ca. 7 €) angefordert werden.
Universität Leipzig
Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl für Erwachsenenpädagogik
Seminar "Projektmanagement - Projekte planen und gestalten"
Kontakt:
Franziska Beranek
034293/35099
Carlo-Franzy@t-online.de
Mitarbeit: Franziska Theilig
Kindertagesstätte, in der das Projekt "Spiele-Nachmittag" durchgeführt wurde:
Awo-Kita "Funtasia"
Fortststr. 21
04683 Naunhof OT Lindhardt
Projektbeschreibung: Franziska Beranek (Überarbeitet durch Redaktion des Kita-Bildungsservers)
Fotos: Franziska Beranek, Klaus Peschel
